Varia
... von Ihren Experten für eigentlich eh fast alles.
Zweite Domain, zweite Mailadresse: ingo@ilax.eu
Ich habe zusätzlich zu ingo@lantschner.name eine Adresse eingerichtet, die nicht von US-Firmen und US-Behörden abhängt.
Zweite Domain, zweite Mailadresse, keine US-Stelle dazwischen: Ab sofort erreichst du mich zusätzlich unter ingo@ilax.eu. Die bisherige Adresse ingo@lantschner.name bleibt, du musst nichts umstellen. Auch meine Webseiten sind ab sofort zusätzlich unter ilax.eu erreichbar.
Öffentlich sind das varia.ilax.eu (dieser Blog), taa.ilax.eu (Verkehrsunfall-Analyse Österreich) und vum.archiv.ilax.eu (Archiv des VUM, Verein zur Unterstützung von Menschen).
Es geht mir um digitale Souveränität, konkret darum, weniger abhängig von erratischen Machthabern im Ausland zu sein. Das ist Vorsorge aus Prinzip. Ich rechne nicht damit, in absehbarer Zeit selbst ins Visier zu geraten. Aber die Fälle aus diesem Jahr zeigen, wie schnell eine Adresse weg sein kann, wenn eine der Stellen, an denen sie hängt, einem außereuropäischen Rechtsregime unterworfen ist.
Was anderen passiert ist
Autistici/Inventati, Italien. Das ehrenamtliche Kollektiv betreibt seit 2001 spendenfinanziert Mailadressen, Blogs und Mailinglisten für Aktivisten. Am 26. August 2026 hat das US-Außenministerium die Gruppe als Terrororganisation eingestuft. Zwei Tage später sperrte die US-Registry Public Interest Registry, die alle .org-Domains verwaltet, die Domain autistici.org. Kurz darauf sperrte die italienische Banca Etica das Konto. Am 6. September gab das Kollektiv auf. Betroffen waren rund 16.000 Mailadressen, 1.500 Websites und etwa 10.000 Blogs. Ein Gerichtsverfahren gab es nicht, weder in den USA noch in Italien. Im Oktober beschlagnahmte die Amsterdamer Polizei auf US-Ersuchen auch noch einen Server der Gruppe.
Rote Hilfe, Deutschland. Hier waren es keine Domains, sondern Bankkonten. Im November 2025 stuften die USA das Netzwerk »Antifa Ost« als Terrororganisation ein. Wenige Wochen später kündigten die Sparkasse Göttingen und die GLS Bank der Roten Hilfe die Konten. Der Verein finanziert Anwälte für politisch Verfolgte und hatte zu Spenden für Angeklagte im Antifa-Ost-Verfahren aufgerufen. Die Sparkasse berief sich vor Gericht unter anderem auf die Folgen der US-Sanktionen. Die Gerichte sahen das anders: Im Eilverfahren verpflichteten das Landgericht Göttingen und im September 2026 das Oberlandesgericht Braunschweig die Sparkasse, das Konto weiterzuführen, bis in der Hauptsache entschieden ist. Die US-Einstufung habe in Deutschland keine unmittelbare Wirkung. Die GLS Bank führt die Konten inzwischen weiter. Der Fall zeigt: Eine Entscheidung in Washington wirkt über europäische Dienstleister, ohne dass eine Behörde oder ein Gericht in Europa das angeordnet hätten.
Schon 2025 hatte der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs nach US-Sanktionen den Zugang zu seinem Mailkonto bei Microsoft verloren, siehe Kontrollverlust beim IStGH.
Woran eine Mailadresse hängt
Eine Adresse wie ingo@lantschner.name funktioniert nur, solange mehrere Stellen mitspielen: die Registry, die die Endung (hier .name) verwaltet, der Registrar, über den ich die Domain gemietet habe, und der Anbieter, der das Postfach betreibt. Fällt eine davon weg oder dreht sie ab, kommen keine Mails mehr an. Dazu kommt: Wird die Domain neu vergeben, kann sich der neue Besitzer als ich ausgeben und bekommt Zugriff auf fast alle Konten, bei denen ich mich per E-Mail registriert hatte.
Nicht bei allen: Wo zusätzlich ein zweiter Faktor verlangt wird (ein Code aus einer App, ein Hardware-Schlüssel oder ein Passkey), genügt die Mailadresse allein nicht. Banken setzen meist auf eigene Freigabe-Apps und schicken neue Zugangsdaten per Post. Und manche Anbieter, etwa der Hoster Hetzner, lassen die Zwei-Faktor-Anmeldung nur mit einem Wiederherstellungsschlüssel zurücksetzen, den man beim Einrichten erhält, nicht per Mail.
Bei lantschner.name liegt die Registry in den USA (VeriSign), das Postfach bei Fastmail, einem australischen Unternehmen mit Rechenzentren in den USA.
Seit August 2026 speichert Fastmail die Daten europäischer Kunden in Amsterdam, die Sicherungskopie liegt aber weiterhin in den USA.
Bei ilax.eu ist alles in Europa:
- Die Endung
.euverwaltet EURid in Belgien. - Registriert habe ich die Domain bei Hetzner, einem deutschen Hoster, also bewusst nicht beim selben Registrar wie
lantschner.name. - Den Mailserver betreibe ich selbst, auf einem Hetzner-Server in Helsinki. Ganz ohne US-Bezug geht es auch hier nicht: An der Spitze des Domain-Systems steht die ICANN, eine US-Organisation. Darauf weist auch Marcel Waldvogel bei DNIP hin. Ein Eingriff auf dieser Ebene würde aber das ganze Internet treffen und wäre ein weit größerer Schritt als die Sperre einer einzelnen Domain.
Die beiden Adressen sichern sich so gegenseitig ab. Fällt eine weg, bleibt die andere. Die technischen Details (Domainwahl, Absicherung der Konten, eigener Mailserver, Signaturen mit S/MIME) beschreibe ich in einem eigenen Artikel.
Was das für dich bedeutet
- Speichere beide Adressen. Bekommst du von mir eine Mail von ingo@ilax.eu, ist sie echt.
- Sag mir Bescheid, wenn eine Mail von dieser Adresse im Spam landet oder eine Antwort an sie zurückkommt. Ein neuer Mailserver braucht eine Weile, bis die großen Anbieter ihm vertrauen. Ich verwende die neue Adresse deshalb zuerst mit Menschen, mit denen ich ohnehin in engem Kontakt bin.
- Sei misstrauisch, wenn ich dir ohne Ankündigung von einer dritten, unbekannten Adresse schreibe. Im Zweifel ruf mich an.
Danke an DNIP
Viel von dem, was ich hier umgesetzt habe, verdanke ich DNIP (»Das Netz ist politisch«), einem Schweizer Magazin für Tech-Journalismus, das Journalisten und Informatiker nebenberuflich schreiben. Die wöchentlichen DNIP-Briefings haben den Fall Autistici/Inventati früh und mit klarer Einordnung aufgegriffen, unter dem Titel »Digitaltod per Unterschrift«. Und Marcel Waldvogel hat daraus gleich eine Anleitung gemacht: welche Endungen in wessen Hand sind, worauf man bei Registrar und Mailanbieter achten sollte und warum Mail-Domains besonders heikel sind, weil über sie die Passwort-Rücksetzungen vieler anderer Konten laufen. Wer sich für Netzpolitik interessiert und verständliche Hintergründe sucht, ist dort gut aufgehoben.
Quellen
DNIP-Redaktion. DNIP-Briefing #87: Datenhunger und langer Atem (Abschnitt »Digitaltod per Unterschrift«), 1. September 2026 🌐
DNIP-Redaktion. DNIP-Briefing #88: Kleine Schritte und grosse Konsequenzen (Abschnitt »Provider-Terror«), 8. September 2026 🌐
Marcel Waldvogel, DNIP. Souveräne Internet-Dienste: Ein mehrstufiges Unterfangen, 9. September 2026 🌐
The Record. Italian tech collective Autistici/Inventati shuts down after US terrorist designation 🌐
The Next Web. Italian hosting collective Autistici/Inventati is shutting down after a US terrorist designation, 7. September 2026 🌐
NL Times. Amsterdam server seized at request of U.S. authorities after antifa allegations, 14. Oktober 2026 🌐
beck-aktuell. Girovertrag bei der Sparkasse: Konflikt mit US-Terrorliste ist kein Grund für Kontokündigung (OLG Braunschweig, 4 U 693/26) 🌐
Fastmail. Fastmail offers EU data region 🌐
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